Love-and-Peace-Festival Fehmarn 04.-06.09.1970

Vor 45 Jahren fand das Love-and-Peace-Festival auf der Insel Fehmarn statt.

Der Wunsch der Veranstalter war es, ein ähnliches Happening wie in Woodstock zu veranstalten. Mit einem großen Vorschuss eines Erotik-Konzerns aus Flensburg sollten 30-40 international bekannte Bands auf die Sonneninsel Fehmarn gelockt werden. Aber es kam leider anders. Auf Grund des schlechten Vorverkaufs, bis kurz vor Beginn des Festivals waren nur rund 10.000 Karten im Vorverkauf an den Mann gebracht worden, sagten einige schon gebuchte Bands ihr kommen ab. Die kompletten Hoffnungen der Veranstalter ruhten demzufolge fast allein auf Jimi Hendrix, der in Deutschland auf Grund des gerade veröffentlichen Woodstockfilms in aller Munde war.

Kurz vor dem Beginn des Festivals gab es seitens der Behörden eine Begehung des Festivalgeländes. Die Zustände waren für die Behörden besorgniserregend. Die Müllentsorgung war gar nicht geklärt, die Sicherung der Straßen und des umliegenden Geländes (Deiche, etc) waren nicht ausreichend. Und man hatte Angst, das ähnliche Vorfälle mit Rowdys wie gerade auf dem Festival „Isle Of Wight“ passiert, auch hier in Schleswig-Holstein stattfinden könnten. Kurzerhand wurden die Hells Angels als Ordner angeheuert. Diese hatten sich quasi selbst aufgedrängt, hatten sie doch selber sich bei Ihrer Anreise mit den persischen Ordner eine Auseinandersetzung geliefert, bei der vier Ordner durch Messerstiche verletzt wurden. Entsprechend robust gingen dann die alkoholisierten Ordner aus den Reihen der Hells Angels mit den Besuchern des Festivals um.

Zu allem Ärger kam auch noch schlechtes Wetter dazu. In der Nacht zu Freitag kamen Wind und Regen auf und die Temperaturen sackten in den Keller. Auf Grund des schlechten Wetters viel ständig die Bühnentechnik aus, so dass es zu Verzögerungen im Ablauf kommen sollte. Klappte dann alles mit der Technik, war es schwierig auf Grund des Windes den kompletten Platz zu beschallen. Der Ablaufplan war ein reines Desaster. Colosseum standen im Stau und konnten deswegen nicht anreisen, Cactus versuchte die Anreise gar nicht erst. Taste hatten Terminprobleme auf Grund der Verzögerungen und mussten ohne Auftritt vorzeitig abreisen. Als der erste Festivaltag gegen 23:00 Uhr endete waren die Fans mehr als unzufrieden. Zwar machte der Regen am Folgetag zumindest vormittags eine Pause, aber die Probleme blieben. Dem Publikum musste erklärt werden, dass die angekündigten Procal Harum und Ten Years After nicht auftreten werden. Und der geplante Auftritt von Jimi Hendrix wurde schlussendlich auf den Sonntag verschoben, da Hendrix erst kurz vor seinem geplanten Auftritt müde und abgespannt vom Festivalauftritt in Berlin am Abend vorher im Hotel auf Fehmarn angekommen war. Am nächsten Tag betrat Hendrix dann unter dem Jubel der Fans um kurz vor 13:00 Uhr mit seinen beiden Mitstreitern Mitch Mitchel und Billy Cox die Bühne. Es sollte sein letztes Konzert überhaupt werden. Wenige Tage nach seiner Abreise in Richtung London direkt nach dem Konzert sollte Hendrix am 18.09.1970 Tod in seinem Hotelzimmer aufgefunden werden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Was nach dem Auftritt von Hendrix passierte, kann man nur noch mit Chaos umschreiben. Viele Festivalbesucher verließen das Gelände, obwohl das Festival noch nicht beendet war. Die 500 freiwilligen Helfer gingen auf die Barrikaden, da sie bisher noch nicht entlohnt waren. Schlussendlich suchte der Veranstalter zusammen mit der Tageskasse das Weite. Daraufhin ging das Veranstaltungszentrum in Flammen auf. Parallel dazu, als ob es geplant war,schallten die Klänge >Macht kaputt was euch kaputt macht< der gerade spielenden Ton Steine Scherben über das Gelände.

Alles in allem war das Festival ein finanzielles Desaster. Viele Gläubiger wie die Hotels, Verleihfirmen und die Post gingen leer aus. Die Flurschäden waren immens und konnten durch die geleistete Vorauszahlung von 5.000,- DM nicht gedeckt werden. Was als Happening geplant war, endete leider im totalen Chaos.

Wer sich umfangreich über das Festival informieren will, stöbert doch ein bisschen auf der Webseite fehmarnfestival1970.com rum, oder liest das Buch von Jürgen Rust „Das Fehmarn-Festival 1970 Jimi Hendrix – Der letzte Auftritt“ aus dem Cobra-Verlag.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s