Marillion – Misplaced Childhood

Marillion_misplacedchildhood

Heute vor 30 Jahren wurde das dritte Studioalbum von Marillion „Misplaced Childhood“ veröffentlicht. Das Album gehört bis heute zu den herausragendsten Konzeptalben der Musikgeschichte.

Die Zeichen für ein neues Album standen seinerzeit eher schlecht für Marillion. Am Ende der Tournee zum Fugazi-Album entschied sich Marillion, um Kraft zu schöpfen, eine zweimonatigen Zwangspause einzulegen. Der Druck der Plattenfirma EMI war seinerzeit unheimlich hoch. Zwar waren die Verkäufe der beiden vorherigen Platten „Script For A Chester’s Tear“ und „Fugazi“ nicht schlecht, lagen aber weit hinter den gesteckten Erwartungen zurück. Daran konnten auch die erfolgreichen Tourneen der gerade live überzeugenden Band nichts ändern. Ein Hitalbum, so die Auffassung der verantwortlichen Plattenbosse, musste her. Doch davon waren die Herren weit entfernt. Marillion, allen voran die beiden kreativen Köpfe Fish, Sänger und verantwortlicher Texter, und Steve Rothery, Gitarrist und Hauptsongschreiber, hatte sich in den Kopf gesetzt, ein Konzeptalbum zu veröffentlichen. Die Stücke sollten ineinander übergehen und insgesamt eine Geschichte erzählen. Für eine Hitsingle war in diesen Gedankengängen kein Platz. Eine gewisse Idee für eine Story schwebte Fish im Anschluss an einen überstandenen LSD-Trip vor. Ein erwachsener Mann schaut auf seine Kindheit zurück, und lamentiert über verflossene Liebschaften, die verlorene Jugend und der Abgrenzung zu seinem Umfeld. Gewisse Ähnlichkeiten der Thematik zu Pink Floyds „The Wall“ waren nicht von der Hand zu weisen. Das es sich um eigenen Erfahrungen des Sängers Fish handeln könnte, konnte jeder erahnen. Die Band war von dem Konzept begeistert, und man zog sich für 6 Wochen in ein Landhaus zurück, um die Songs zu komponieren. Die anschließenden Studioaufnahmen mussten aber noch warten. Die Plattenbosse entschieden sich dazu, noch kurzerhand eine Live-Platte („Real To Reel“) zu veröffentlichen. Und die musste promomäßig ja von einer Tournee begleitet werden. Wobei dies auch sein Gutes hatte. Die Band nutzte die Gelegenheit, die gerade komponierten Stücke live auszuprobieren. Zur Verwunderung der Band ging man Anfang 1985 nach West-Berlin in das berühmte Hansa-Studio, aber die geringeren Kosten für die Produktion ergaben den Ausschlag. Die Verwunderung änderte sich aber bald in Begeisterung. Die Band war immer mehr fasziniert von der Stadt, und der Aufenthalt in Berlin beflügelte den kreativen Prozess. Marillion arbeitetet tagsüber mit Hochdruck und überaus erfolgreich an den Songs und Aufnahmen, trotz der ausschweifenden Partys, die Nachts in den zahlreichen Clubs und Bars über die Bühne gingen. Und am Ende hatte man sogar mindestens eine Hitsingle am Start. Der Riff zu der späteren Hitsingle >>Kayleigh<< entstand eher aus Zufall in der heimischen Küche des Gitarristen Rothery, als er seiner damaligen Freundin und heutigen Frau erklären wollte, wie Melodie und Rhythmus bei einem Song zu verbinden sind. Den Text dazu verfasste Fish in kürzester Zeit. Das es sich dabei um die Aufarbeitung seiner Beziehung mit einer ehemaligen Freundin mit den Vornamen Kay Lee handelt, war der Band eigentlich zu persönlich, und man bat den Sänger um Änderung des Textes oder des Titels. Letztendlich setzte sich aber der starrköpfige Schotte durch und die Single kam im April 1985 so auf dem Markt. Der Einstieg in die Charts und die Besetzung der obersten Chartpositionen gaben dem Sänger Recht. Die Ironie an der Geschichte ist, das gerade die Plattenfirma dies fast verhindert hätte. Sahen sie doch in einem anderen Song, der noch nicht einmal auf der Platte war, den Riesenhit. „Lady Nina“ sollte mit der B-Seite „Kayleigh“ veröffentlicht werden, aber am Ende wurde doch dem Wunsch der Band nachgegeben. Nicht auszudenken, wäre die Geschichte anders verlaufen.

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